Dieser Text stammt aus dem Heft "Open Your Mind", zusammengestellt und herausgegeben von "SOLUNA", erschienen 1997.
(Quellen: Eve & Rave (Hrsg.) / Safer-Use-Info Partydrogen '97; W. Sterneck (Hrsg.) / Cybertribe-Visionen; u.a..)  
Drogen und Bewußtsein
 
Der Gebrauch von Drogen diente Menschen aller Kulturen zur Erlangung entspannender oder anregender Gefühlszustände und zur Veränderung des Bewußtseins. Die heutigen Kategorien legal und illegal sagen absolut nichts über die Gefährlichkeit einer Droge aus. So ist Alkohol eine der schädlichsten Drogen und Nikotin eine mit dem größten Suchtpotential. Trotzdem sind beide bei uns legal und ihr Gebrauch ist entritualisiert, also alltäglich.
Generell gilt, daß Du Dich auf eine psychedelische (die Seele öffnende) Reise gut vorbereiten solltest. Wichtig ist das Setting, also die äußere Umgebung, Dein innerer Zustand, Deine Erwartungen und auch das Wissen über die Wirkungen und Gefahren. Umso bewußter Du eine Droge nimmst, desto tiefer kann diese Erfahrung werden. Ein Dauerkonsum entspricht dagegen oftmals einer Flucht vor den Problemen des Alltags.
Wir verstehen die folgenden Seiten nicht als Aufforderung zum Gebrauch illegaler Drogen, sondern als Anregung zu einem selbstbestimmten und bewußten Umgang. Zwangsläufig können wir dabei nur auf einige grundlegende Aspekte kurz eingehen.
ECSTASY ist im wesentlichen ein Sammelbegriff für vier Wirkstoffe: MDMA, MDEA, MDA und MBDB. Die Inhaltsstoffe setzen vor allem die stimmungsaufhellende körpereigene Substanz Serotonin im Gehirn frei, die U.a. auch für das angenehme Gefühl beim Orgasmus verantwortlich ist.
Entsprechend löst Ecstasy zumeist ein tiefes Glücksempfinden aus, die Umgebung wird positiver und sensibler wahrgenommen, anderen Menschen wird offen entgegengetreten und Probleme erscheinen unbedeutend. Je nach Zusammensetzung kann es auch zu halluzinogenen Wirkungen kommen. Zudem setzt Ecstasy Energiereserven frei, verdeckt körperliche Schwächeerscheinungen und ermöglicht dadurch ein stundenlanges Tanzen bzw. den Übergang in einen tranceartigen Zustand, wobei oftmals nicht bewußt ist, daß dieser Zustand auch ohne Drogen erreichbar ist. Ein Gefühl der Leere entsteht oftmals am Tag nach den Parties, wenn nach den schillernden Momenten der Ekstase das Grau des Alltags wieder in seiner vollen Intensivität empfunden wird.
Die Wirkung einer Pille setzt in der Regel nach 20-60min ein, erreicht eine Std. nach Beginn der Wirkung den Höhepunkt und klingt nach 3-5 Std. wieder ab. Der E-Film ist dann zu Ende und Du solltest das einfach akzeptieren und nicht 'nachlegen'. Deine Serotonin-Speicher sind dann sowieso weitgehend geleert und müssen erst wieder gefüllt werden. Zu einer vollen Regeneration kommt es erst nach ca. 6 Wochen. Die gewünschte angenehme Wirkung wird deshalb auch von Pille zu Pille schwächer, die generelle toxische Wirkung allerdings nicht. Zu dieser kommt vielfach eine Verunreinigung der Pillen, die jedoch bei den meisten Pillen, die in letzter Zeit getestet wurden, in einem gesundheitlich verträglichen Rahmen lag. Über Langzeitschädigungen liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor.
Die Einnahme von E bewirkt, daß Alarmsignale des Körpers nicht mehr im vollem Umfang wahrgenommen werden. Denke deshalb besonders beim Tanzen daran, Pausen zu machen und viel Wasser oder Vitaminsäfte zu trinken (kein Alkohol), auch wenn Du keinen Durst verspürst. Dies vermeidet das Austrocknen des Körpers und eine Überlastung des Kreislaufs. Wichtig ist zudem, gerade bei Leuten die E zum ersten Mal nehmen, daß ihr beim Runterkommen nicht allein seid und später über Eure Erfahrungen sprecht.
 
ZAUBERPIIZE (PSILOS, MAGIC MUSHROOMS) gelten als älteste Kulturdroge der Menschheit. Sie wurde z.B. von den Azteken als 'Göttliches Fleisch' bezeichnet und bei Ritualen genutzt.
Zauberpilze sind keine typischen Partydrogen. Besonders in engen Räumen können sich auch unangenehme Gefühle der Bedrängnis entwickeln. Ihre angenehme Wirkung in Form einer stabilen positiven Gefühlsfärbung und beeindruckender halluzinogener Erscheinungen können sie vor allem in der Natur entfalten. Zumeist entsteht etwa 20-30min nach der Pilzmahlzeit ein inneres Wärmegefühl. Optische Halluzinationen und eine Veränderung des Raum-Zeit-Erlebens stellen sich meist nach ca. 1 Std. ein, erreichen nach ca. 2Std. ihren Höhepunkt und klingen nach ca. 5Std. relativ weich und schnell ab.
Als Wirkstoffe erhalten die Zauberpilze die beiden psychoaktiven Verbindungen Psilocybin und Psilocin. Ihre Wirkung beruht darauf, daß dem Körper ein chemisch abgewandelter (Gehirnzellen-Botenstoff angeboten wird und die Informationsübertragung dadurch verändert wird - der typische Effekt von halluzinogenen Drogen. Der Gehalt an Wirkstoffen bei den einzelnen Gattungen ist recht unterschiedlich. Bei der Bestimmung der Zauberpilz und der Frage der Dosierung solltest Du unbedingt einen erfahrenen Pilzfreak zu Rate ziehen. Die übliche Dosis liegt bei 10-20 mg Psilocybin, dies entspricht einem halben bis einem Gramm getrockneter bzw. 5-10gr. frischer Pilze. <> Reines Psilocybin bewirkt auch bei langjährigen bewußten Gebrauch keine körperliche Abhängigkeit und keine Organschädigungen. Während des Trips können aber u.a. Veränderungen des Blutdrucks und Atembeschwerden auftreten. Von einem Mischkonsum mit E ist deshalb abzuraten.
 
LSD ist ein halbsynthetischer Wirkstoff der bis zu seinem Verbot unter anderem in der Psychotherapie eingesetzt wurde. Meist wird LSD in Form von Papiertrips mit durchschnittlich 80 Mikrogram oder auf Microtabletten ('Micros') mit bis zu 250 Mikrogram angeboten. Seltener ist die flüssige Form, die tropfenweise eingenommen wird. Die Dosierung bei den Papiertrips beträgt zumeist 1/5 bis 1/2 Trip. Die volle Wirkung entfaltet sich nach etwa 2-4 Std. Insgesamt kann die LSD-Reise bis zu 10 Std. andauern.
Das entscheidende Merkmal der LSD-Erfahrung sind die psychischen Wirkungen. Körperliche Effekte sind in der Regel nur Randerscheinungen. Schon bei einer geringen Dosis wird eine Intensivierung der Farbwahrnehmung und eine Veränderung des räumlichen Sehens empfunden. Feste Formen erscheinen weich oder flüssig, starre Gegenstände bewegen sich pulsierend. Zudem wird die Unterscheidung zwischen Sehen, Hören, Schmecken usw. durch LSD aus dem Gleichgewicht gebracht. Im Extremfall werden die Grenzen der persönlichen Identität aufgelöst, die Wahrnehmung der äußeren Welt und die der eigenen Person vermischen sich, gehen ineinander auf.
LSD kann dabei Zugang zu seelischen Grenzzuständen eröffnen und sowohl zur Behebung psychischer Störungen beitragen als auch psychotische Reaktionen auslösen. Beides wird jedoch nur dann geschehen, wenn im ersteren Falle eine unterstützende, therapeutische Analyse die LSD-Erfahrung begleitet oder in letzterem Falle die betreffende Persönlichkeit von vornherein gestört ist. Generell entfaltet sich die volle positive Potenz von LSD erst dann, wenn Du die Erlebnisse während des Trips hinterher bewußt verarbeitest.
 
SEX: Die meisten Drogen bewirken eine Intensivierung der sexuellen Empfindungen. - Vergesse jedoch auch in den schönsten Stunden nie ein Kondom zu benutzen.

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