<psy-trance>-Partys, die kooperative Kunst von Musikmachern, DJs und Partyveranstaltern.
 (Statement von Friedemann Becker [jfj@pop3.hb.north.de], abgegeben am 25.02.98 um 17:17 Uhr in der Chaishop-Mailinglist)

Der DJ auf <psy-trance>-Partys ist ein Glied in einer langen Kette von Künstlern, die alle irgendwo Altes zerhackstückeln, um Neues daraus zu machen. Natürlich sind die Grenzen fließend, viele zerhackstückeln auch das von ihnen selbst erschaffene:

Ganz am Anfang steht Herr Tamagocci von Roland Motors und Herr Kawasaki von Yahamma, die uns überhaupt erst die wunderbare Technik bereitstellen, um all den Zauberkram zu veranstalten.

Dann kommen chronisch zugekiffte Freaks und Sound Designer die aus den ganzen Tamagoccis durch Stöpseln und Drehen von tausend Knöpfen immer wieder neue Klänge zum Leben erwecken.

Ihnen folgen Sample Schrate, die das ganze zu Song-Fragmenten kombinieren und sich tausende von Grooves ausdenken.

Jetzt erst kommt der Musiker auf den Plan, der aus dem ganzen ein Stück mit Intro, Spannung, Orgasmus und Outro macht.

Der DJ ist ein Meta-Musiker. Er verwendet nicht Sounds sondern macht aus fertiger Musik noch mehr Musik. Natürlich klingt das anders, als wenn Du Deine Platte zuhause im Sessel anhörst. Der DJ spielt ja auch nicht Platten *vor*, sondern er konstruiert aus ihnen ein *Set* - das ist wie ein neues Musikstück.

Und die Musiker, die ja auch meist selbst DJ's sind, wissen das. Und falls Du mal darauf geachtet hast, enthalten viele Stücke ganz klare Hilfestellungen an den DJ, sind also schon zum mixen angelegt, z.B. "verkacken" viele Stücke gegen Ende und dümpeln so langsam gegen ihr unaufhaltsames Ende mit einem ewig gleichen Beat - ideal um was neues reinzufahren - aber allein auf das Stück bezogen, sollte es zuhause im Sessel gehört werden, eine Katastrophe.

Man kann diesen Meta-Reigen noch weiterspinnen und als nächstes Glied die Party-Veranstalter sehen, die durch die "Komposition" verschiedener DJ's ein ganzes Party-Ereignis schaffen.

Ich finde das schon recht abgefahren, und glaube, daß es in der Musik noch nie in der Geschichte eine derartig umfangreiche und globale Kooperation von Kunst, Technik und Psychedelik gab, wie heute.