8.Tag/ Samstag/ 1997-10-25

India-Tour 1997

Jodhpur -> Jaisalmer

Heute Morgen standen wir um 6 Uhr auf und nahmen uns eine Rikscha zu unseren Bekannten. Sie freuten sich sehr, uns zu sehen und baten uns herein. Erst saßen wir ein bißchen hilflos rum, dann bekamen wir Tee. Um 7.30 Uhr durfte ich mit der Mutter ins Schlafzimmer gehen. Sie zündete eine Kerze vor dem Altar von Shiva an, danach ein Räucherstäbchen, dann füllte sie etwas warmes Wasser in eine Muschel für Shiva zum Trinken, dann streute sie Gewürze vor den Altar, spritzte Wasser vor den Altar und auf mich. Während der ganzen Zeremonie sang sie und der Gesang wurde immer lauter. Schließlich läutete sie mit einem kleinen Glöckchen, um Shiva, den Hausgott zu rufen. Dann nahm sie die Kerze und legte die Hand darüber, dann legte sie diese Hand auf Wange und Stirn und ich mußte das gleiche tun.
Um kurz nach 7.30 Uhr gingen wir alle nach außen in den Hof, setzten uns unter einen kleinen Tempel, in welchem sich in der Mitte eine Feuerstelle befand. Wir setzten uns alle im Schneidersitz um die Feuerstelle. Vorher mußten wir natürlich unsere Schuhe ausziehen und die Hände waschen. Dann bekam jeder eine Wasserschale und eine Gewürzschale. Die Frauen sangen die ganze Zeit über Lieder über den Frieden auf der Welt. Wir mußten dreimal Wasser auf die rechte Hand träufeln und trinken und das viertemal die Hände waschen. Dann das Wasser in die linke Hand schütten, zwei Finger der rechten Hand hineintauchen und diverse Körperteile berühren (Mund, Nase, Augen, Ohren, Kopf, Schultern, Beine). Danach wurde mit einer Kerze das Feuer entfacht. Jeder bekam drei in Öl getränkte Stecken, die er dann nach und nach ins Feuer legen mußte. Anschließend streuten wir Gewürze ins Feuer. Nachdem das Feuer fast niedergebrannt war, war die Zeremonie nach gut 30 Minuten beendet.

 
Wir wurden zum Frühstück eingeladen. Es gab Jalabi, eine braune, hartgewordene Zuckermasse (schrecklich süß) und Uppma, ein Gemisch aus Couscous, Mohn und Linsen. Sowie Gunja, ein mit einer scharfen Masse gefüllter Blätterteig. Und natürlich Kekse. Am besten schmeckten uns die Kekse. Dazu gab es Wasser und Tee. Das ist ein ganz normales Frühstück bei ihnen. Chandera zeigte uns seinen selbstgemachten Hochzeitsschmuck. Eine Kette kostet ca. 60.000 RP. Die Familie gehört den Brahmanen an und in dieser Kaste der Unterkaste der Soni (=Juweliere). Irgendeiner kam auf die Idee, daß ich den Schmuck mit den Hochzeitskleidern anziehen sollte. Ich ging mit den Frauen ins Schlafzimmer. Sie brachten mir die Unterkleider, frisierten mich, legten mir den Kopfschmuck an, Armreif, zwei Ketten, 1 Bindi, Lippenstift usw. Dann wurde ich mit sämtlichen Familienmitgliedern fotografiert. Angela (die Frau des Bruders von Chandera) machte mir das Angebot, einen Jodhpur-Sari zu tragen.

Jeder scheint eine etwas andere Wickeltechnik zu haben: Zuerst wird an einem Ende ein Knoten gemacht und dieser in den Unterrock gesteckt. Dann wird die Stoffbahn einmal um den Körper gewickelt. Dann stellt sich eine Person ungefähr in die Mitte der Stoffbahn und fängt an 8-10 Falten auf den Körper des anderen gerichtet zu falten, so lange bis man beim Unterrock angelangt ist. Alle Falten werden in den Unterrock gesteckt. Danach werden noch ein paar Falten am anderen Ende angedeutet und der ganze Rest über die linke Schulter gelegt und festgesteckt.

Zum Schluß wurde uns auch noch das Gästezimmer gezeigt. Wenn wir das nächste Mal kommen, können wir dort wohnen. Es war ein sehr schönes Zimmer mit vielen Büchern und Bildern, mit Badezimmer und Balkon. Chandera Sherkar lud uns zu seiner Hochzeit im nächsten Jahr ein.

 
Als Abschiedsgeschenk bekam ich eine Schale aus Messing für Gewürze. Gegen 10.30 Uhr fuhren wir zu ihrem Juweliergeschäft. Es gab wunderschönen Schmuck. Wir kauften für 950 RP vier Silberarmreife, zwei Fußkettchen und ein Döschen. Danach fuhren wir zu unserem Guest House, da die anderen noch packen mußten.

 
960 RP zahlten wir für zwei Zimmer und Essen. Mit zwei Rikschas fuhren wir für insgesamt 60 RP zum Busbahnhof. So Rikschas sind sehr praktisch. Sie dienen nicht nur als Transportmittel, sondern auch zugleich als wichtige Informationsquelle. Wenn man irgendwas braucht, der Rikscha-Fahrer kennt sich aus.
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Im Bus nach Jaisalmer saßen mal wieder nur Inder. Die Fahrt kostete pro Person 110 RP. Während der Fahrt wurde ein drei-stündiger indischer Film gezeigt. Mit allen erdenklichen Kampf- Herz-Schmerzszenen, die man sich nur vorstellen kann. Alle schauten gebannt auf den Fernseher. Helle Haut ist hier das Schönheitsmerkmal schlechthin.
Die Landschaft geht immer mehr in Wüste über. So stelle ich mir auch die afrikanische Steppe vor. Am besten gefielen mir die Kamele am Wegesrand. Ein paar Mal hielten wir an, um Leute aussteigen bzw. einsteigen zu lassen. Die strohgedeckten kleinen Hütten schauen prima aus, eben wie in Afrika.
Nach 5 Stunden erreichten wir Jaisalmer. Wie die Geier stürzten sich die Hotelvermieter auf uns. Wir hatten im Bus einen etwa 16jährigen Jungen kennengelernt, der uns Zimmer ab 60 RP anbot und uns kostenlos mit einem Jeep hinbringen wollte. Wir entschlossen uns, zwei Zimmer für je 100 RP zu nehmen, weil sich in diesen die Badezimmer in den Zimmer befanden.

 


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