6.Tag/ Donnerstag/ 1997-10-23

India-Tour 1997

Udaipur -> Jodhpur

Für 8 Uhr hatte ich den Wecker gestellt. Um 9.30 Uhr kamen wir erst los, da Bernd S. ewig zum Packen brauchte. Allerdings war die ganze Eile umsonst gewesen, da vor 10 Uhr kein Postkartengeschäft aufmacht. Also frühstückten wir: heiße Schokolade, Tee, Toast mit Ei.
Andre, Bernd und Dieter hatten am Abend vorher einen indischen Goa-Freak namens Robin kennengelernt und frühstückten bei ihm. Kurz nach 10 Uhr kauften Bernd und ich unsere 35 Postkarten und überbrückten die Zeit bis 11 Uhr mit Schreiben und Auschecken.
Punkt 11 Uhr stand Khalu auf der Matte und unsere Sightseeing-Tour in der Auto-Rikscha konnte beginnen. 6 Leute in einer Rikscha war zwar ganz schön eng, aber auch lustig, denn selbst die Einheimischen guckten erstaunt, da sie noch nie fünf Europäer in einer Rikscha gesehen hatten.

 

Zuerst fuhren wir zu einem kleinen Park "Pratap Memorial", wo man die Bronzestatue des Maharana Pratap (König von Menwar) mit seinem Wunderpferd sehen konnte. Auf blauen Tafeln stand die ganze Hintergrundgeschichte. Der König lebte irgendwann im 16. Jahrhundert. Auch eine alte Ruine stand herum. Die Aussicht auf Udaipur war auch sehr schön und man konnte wunderbar auf verschlungenen Pfaden spazieren gehen.

 

Als nächstes fuhren wir zum Fountain Garden. Von den Springbrunnen war einer schöner als der andere. Im Park machten wir die Bekanntschaft mit einem älteren Inder, der uns die Hintergründe der ganzen Springbrunnen erklärte, die alle ohne Pumpen und Elektrizität funktionieren. Die Tochter des damaligen Königs mochte die Hitze Indiens nicht so gern und bat den König, daß er es immer regnen lassen sollte, wenn sie es wollte. Deshalb also die Springbrunnen. Bei einem sah man sogar einen Regenbogen.
Anschließend brachte uns Khalu zu einem Schmuckgeschäft, wo auch Sandelholzschnitzereien verkauft wurden. Silber und Gold wird dort nach Gewicht und Tagespreis verkauft. Zwischendurch hielten wir an einem Postamt und kauften 35 Briefmarken à 6 RP.

 

Auch der Früchtemarkt war klasse. Die Frauen waren total begeistert von uns und wollten unbedingt, daß wir Fotos von der einen und von der anderen machten. Leider sprach keine Englisch. Es gab Bananen, Zuchini, Gurken, Tomaten, Ingwer, Knoblauch, Zwiebeln, Kartoffeln und jede Menge indisches Zeugs.

 
Dann brachte uns Khalu zu einer Malschule. Man konnte den Schülern bei der Arbeit zusehen. Ein 30x50 cm großes Wandbild mit allen Details dauert ca. einen Monat. Uns wurde die Zusammensetzung der Farben erklärt. Aus 6 Grundfarben kann man alle anderen mischen. Gold und Silber wird mit Blättchen aufgetragen. Die kleinsten  Pinsel bestehen aus Eichhörnchen-Haar, aber man versicherte uns, daß dafür kein einziges Eichhörnchen umgebracht wird. Bernd war ganz begeistert von den Werken und kaufte dementsprechend ein.

 
Da Dieter noch nach Hosen gefragt hatte, hielten wir auch noch an einem Stoffladen, wo uns wieder alles gezeigt wurde. Bereits nach 10 Minuten war mal wieder der ganze Boden mit Stoffen bedeckt. Allerdings war dieser Laden etwas teurer als unserer vom Vortag.

 
Danach brachte Khalu uns zum City Palace. 20 RP pro Person kostete der Spaß, aber der Palast war sein Geld wert. Es gab einen Teil für den König und einen Teil für die Königin. Überall hingen handgemalte Bilder aus dem Leben des Königs. Tigerjagd war damals groß in Mode. In einem Teil sah man auch die Fortbewegungsmittel von Sänften über Elefantenkörbe bis zum Rolls Royce. Es gab viele Zimmer, die komplett mit Spiegeln ausgekleidet waren. Alles protzte nur so von Glanz und Reichtum. Am schönsten waren die verwinkelten Gänge, durch die man treppauf und treppab bis zum nächsten Raum laufen mußte. Nach 1,5 Stunden waren wir total überwältigt und erschlagen von der Farbenpracht und den Bildern. Eigentlich wollten wir auch noch die Bootsfahrt machen, um den Sonnenuntergang vom Wasser aus zu erleben, aber leider hatte die Bootsanlegestelle schon geschlossen.

 
Wenn man aus dem Palast herauskommt, befindet sich auf der linken Seite der Hindu-Tempel Jugat Schiromanija.

Es fand sich gleich ein Führer und ein paar Kinder schlossen sich uns auch an. Wir wurden über die Götter, Krishna, Shiva, Hanuman informiert, sahen einen Heiligen beim Beten, wurden selber mit heiligen Wasser geweiht, was Glück bringen soll. Leider darf man im Inneren der Tempel nicht fotografieren. Die Führung war sehr interessant, vor allem wie der Typ den Namen Laxshmi aussprach....

 
Gleich daneben befindet sich der im Reiseführer beschriebene Jagdisch Tempel, den wir auch gleich besichtigten.

 
Ich fand den anderen jedoch viel schöner. Dieter und André wollten mal wieder Einkaufen, also machten die Bernds und ich uns langsam auf den Weg in das Stoffgeschäft vom Vorabend, um unsere maßgeschneiderten Sachen abzuholen. Um 18.15 Uhr wollten wir die anderen beiden dort wieder treffen. Allerdings verliefen wir uns in dem Straßen-Wirrwarr von Udaipur hoffnungslos.

Fünfmal fragten wir nach den Weg. Die engen Gassen waren jedoch sehr schön und wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, hätten wir auf den Weg noch weitere Hindu-Heiligtümer anschauen können. Um 18.45 Uhr kamen wir völlig geschafft und kurz vor dem Verzweifeln bei dem Stoffgeschäft an. Ich kaufte mir noch einen Rock für 130 RP und einen Armreif für 175 RP. Bis wir endlich alles zusammen hatten war es schon 19:30 Uhr.

 

Wir fuhren mit der Rikscha zum Shiwam-Cafe, das dem Goa-Freak Robin gehört. Das Abendessen war prima und es gab dort sogar Bhang-Lassi. Die Atmosphäre dort war sehr schön, allerdings dauerte das Essen ungewöhnlich lange, so daß wir ganz schön unter Zeitdruck kamen, denn unser Bus fuhr um 22 Uhr nach Jodhpur.
Um 21 Uhr holten wir aus unserem Hotel das Gepäck und ließen uns zum Busbahnhof fahren. Wir kamen sogar rechtzeitig an und mußten nun ein bißchen Warten.

 
Mindestens zehnmal fragte ich, welcher Bus denn nun nach Jodhpur fahre. Um 22.30 Uhr fuhren wir los. Vorher hatte ich noch das Vergnügen mit einer indischen Toilette, die eigentlich Gebühr kostete, aber da ich kein Geld dabei hatte, versprach ich, noch mal zu kommen und ihm das Geld zu geben. Aber das war mir dann doch etwas zu riskant, daß ich wegen 2 RP den Bus verpassen würde, somit bin ich heute das Geld noch schuldig.

 
Im Bus waren alle sehr kontaktfreudig und die, die Englisch konnten wollten sich alle mit uns unterhalten. Es ist unglaublich, wieviele Visitenkarten und Adressen w ir mittlerweile haben. Die Busfahrt war genauso schlimm wie die letzte, nur daß wir Plätze weiter vorne hatten. Ich war die einzige Frau im Bus. Kurz nach Mitternacht kamen wir an einen Rastplatz und als ich nach der Toilette fragte, brachte man mich einfach ein Stück außerhalb. Na klasse!!

 
Während der Busfahrt hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einem 24jährigen Inder aus Jodhpur. Gleich nach dem dritten Satz fragte er, ob es in Deutschland möglich wäre, vor der Ehe Sex zu haben. In Indien ist das unmöglich. Er hatte zwar während seiner Schulzeit eine Freundin, mit der er ins Kino, Picknicken usw. ging, aber seit 6 Monaten ist sie nun verheiratet und er wird nächstes Jahr auch heiraten, da eine Ehe zwischen den beiden aufgrund der unterschiedlichen Kasten nicht möglich war. Außerdem suchen eh die Eltern die Partner für die Kinder aus und die lassen sich das in der Regel gefallen. Der junge Mann hieß Chandera Sherka, betreibt mit seinem Bruder zusammen ein Juweliergeschäft und verdient ca. 3000 RP im Monat. Ein Arbeiter verdient 20 RP am Tag, ein Lehrer ca. 7000 RP im Monat.

 


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