4.Tag/ Dienstag/ 1997-10-21

India-Tour 1997

Bombay -> Udaipur

Das Telefonieren in Indien ist schrecklich. Man spricht 2 Minuten und dann ist die Leitung unterbrochen. So ging  das heute Morgen schon dreimal als Mario anrief. Also muß man das wichtigste schon gleich in den ersten Satz packen. Unser Zimmer hat sich langsam als Kommandozentrale herauskristallisiert.

Mario teilte uns mit, daß alle Züge schon einen Monat im voraus ausgebucht wären. Nun fahren wir halt mit dem Bus. Der Bus wird ca. 400 RP kosten und bis Udaipur dauert es 19 Stunden. Heute abend um 7 Uhr fährt er ab. Hoffentlich können wir beim nächsten Telefonat die Ticketübergabe vereinbaren.

 
Das Frühstück hat heute früh Bernd wieder an der Rezeption bestellt, da das Telefon für solche Zwecke einfach unbrauchbar ist.

 
Gestern fragten wir Mario auch, ob man Bettlern etwas geben soll oder nicht. er meinte in den meisten Fällen nicht, nur wenn man wirklich sieht, daß sie krank sind. Den meisten Leuten gefällt es sogar, auf der Straße zu schlafen. Sie brauchen keine Miete zu zahlen, keine Rechnungen zu begleichen etc. und in der Monsunzeit fahren sie zu ihren Verwandten außerhalb von Bombay. Naja, so ganz überzeugte mich das nun nicht.


Bombay ist eine häßliche Stadt. Viele Hochhäuser, Verkehrschaos, Slums, keine bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten, selbst die Parks schauen wie verbrannte Fußballfelder aus. Gestern spazierten wir nämlich durch den Azad Maidan Park und es waren überall nur Menschen zu sehen. Bombay überzeugt eigentlich nur durch seine Vielfältigkeit, durch die Quirligkeit, die Lebendigkeit und das man so viel neues sieht.

 
Tja, nun sitzen wir erst mal im Zimmer fest und warten auf weitere Anweisungen von Mario. Gegen 9 Uhr kam Bernd H. vorbei und teilte uns mit, daß Mario angerufen hätte. Treffpunkt: 10.30 Uhr Churchgate Station. Was waren wir erleichtert! Also nahmen wir gegen 10 Uhr zwei Taxis und ließen uns für 40 RP hinbringen. Allerdings gibt es am Churchgate zwei Ticket-Counter. Einen innen und einen gegenüber auf der anderen Straßenseite. Also teilten wir uns auf. Bernd S. und ich gingen zum Tourist Counter und die anderen blieben beim Local Ticket Counter.

 
Die Leute starrten mich teilweise an, als ob ich das 8. Weltwunder wäre. Es lief wirklich kein einziger vorbei, der mir keinen Blick zuwarf. Und als ich ein paar Mal durch die Schaltervorhalle lief, wollte fast jeder helfen und fragte mich, wohin ich denn möchte. Nach gut 10 Minuten holten uns die anderen. Mario war auf der anderen Seite aufgetaucht. Zum Glück! Er hatte die Bustickets dabei. 250 RP für jeden. 90 RP hatten wir gestern bezahlt, damit sich bereits am Abend jemand für unsere Tickets anstellen würde. Mario brachte uns zum Bahngleis, stieg mit uns in einen Local Train und fuhr mit uns ins Stadtteil Mahalakschmi.

Zugfahren ist klasse. Es rattert total und die Türen sind ständig offen, ein Paradies für Zug-Surfer. Nach vier Stationen stiegen wir wir in einen Bus um und fuhren zur endgültigen Bushaltestelle. Dort warteten wir eine knappe Stunde, da unser Bus nach Udaipur 30 Minuten Verspätung hatte. Ich nutzte die Zeit, um ein bißchen Hindi zu lernen. Mario vergewisserte sich mindestens fünfmal, wann, wo welcher Bus abfuhr. Sogar zur Toilette begleitete er mich, die sich in dem angrenzenden Gebäude im 3. Stockwerk befand. Wir waren aber rechtzeitig wieder da.
 
Während des Wartens wurden wir wieder von jedem vorbeilaufenden Passanten angeguckt. Mittlerweile waren schon einige Inder da, die auch nach Udaipur wollten. Um kurz nach 14 Uhr kam der Bus. Mario hatte den Ticket Controller bestochen, damit wir zusammen sitzen konnten. Es dauerte eine Zeitlang, bis das ganze Gepäck verstaut war. Mario verabschiedete sich, da er eh schon zu spät zur Arbeit kommen würde. Wir gaben ihm 400 RP und eine Schachtel Zigaretten zum Dank für seine Mühe, was er erst gar nicht annehmen wollte. Aber als wir mehrmals sagten, daß das Geld für seine behinderten Schwestern ist, nahm er es schließlich.


Wir waren die einzigen Europäer im Bus und keiner von den Mitfahrern, geschweige denn der Ticket Controller oder der Fahrer sprach Englisch. Sehr "beruhigend" ! Kurz nach 14.30 Uhr fuhren wir los. Nach ein paar Minuten standen wir schon im Stau. Nach ca. einer Stunde machten wir die erste und vorerst auch die letzte Pause. Zum Glück gab es dort eine Toilette. André und Bernd S. kauften sich indische Naschereien, die teilweise ganz gut, teilweise aber absolut furchtbar schmeckten und von ziemlich undefinierbarem Inhalt waren.

 
Nach 2,5 Stunden hatten wir Bombay endlich hinter uns gelassen. Die Straßen wurden immer schlechter und unser Fahrer immer lebensmüder. Seine Überholmanöver ließen einem die Haare zu Berge stehen und das sollten wir weitere 17 Stunden lang aushalten? Es war ein Geholpere, einfach unbeschreiblich. Aber so fühlt man wenigstens Indien hautnah - am Hintern. Und in der Nase. Da der Bus - natürlich - keine Klimaanlage hat und wir mit offenen Fenstern fahren. Faszinierend auch die vielen bunten Sachen, die draußen vorbeihuschen. Busfahren ist wirklich ein Erlebnis.


Am Straßenrand sah man so allerhand: Tote Kühe, umgestürzte Busse und Lkws. Sogar einen kleinen Unfall hatten wir, als uns bei einem Überholmanöver ein Jeep streifte. Erst dachten wir, daß sich niemand darum kümmern würde, aber ein paar Minuten später hielten wir doch an und eine eifrige Debatte entstand. Nach 5 Minuten war scheinbar alles geklärt und wir konnten weiterfahren. Der Bus fuhr und fuhr. Von dem Geholpere hatten wir schon überall blaue Flecken.

 
Um 23.30 Uhr machten wir die erste richtige Pause. Uns wunderte es, daß keiner von den Mitreisenden vorher auf Toilette mußte, etwas zu trinken oder zu essen wollte. In der "Autobahnraststätte" ging alles razz-fazz. Wir bestellten irgend etwas mit Gemüse und eine Cola. Ich fand das Essen total scharf, aber das Chapati war gut, welches wir auch einpacken ließen, denn seit dem Frühstück hatten wir nichts mehr gegessen. Nach 45 Minuten Pause ging es weiter. An Schlafen war nicht groß zu denken.

 


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