3.Tag/ Montag/ 1997-10-20

India-Tour 1997

Bombay

Kurz vor 9 Uhr wachten wir sogar ohne Wecker auf. Bis 10.30 Uhr gab es Frühstück. Wir bestellten an der Rezeption das Frühstück, aber eigentlich kann man das vom Zimmer aus telefonisch erledigen, vorausgesetzt das Telefon funktioniert. Wir frühstückten alle im Zimmer von André, Dieter und Bernd H., da es als 3er Zimmer viel größer als unseres ist. Es gab Kaffee, Tee, Toast und eine schrecklich schmeckende Orangenmarmelade. Außerdem waren zwar für jeden ca. 4 Scheiben Toast vorhanden, aber nur eine kleine Butter- und Marmeladeportion. Zum Glück hatte André einige Gläschen Marmelade von unserem Pariser Hotel mitgenommen.

 
Nach dem Frühstück rief ich am Flughafen an und man sollte es nicht für möglich halten, aber man sagte uns, daß unsere beiden Rucksäcke angekommen wären. Die Bernds und ich schnappten uns ein Taxi  und fuhren für 300 RP (= 15 DM) zum Flughafen. Nach einigem Rumgefrage fanden wir das Air France Office, wo man uns über einige Schleichwege zu unserem Gepäck brachte. Es war alles da. Hurraaa !! Sogar unsere Taxispesen bekamen wir von der Air France erstattet und sogar noch zwei Flaschen Trinkwasser. Wir nahmen wieder ein Prepaid Taxi. Diesmal kostete es nur 250 RP.
Der Taxifahrer war ein Sikh (Erkennungszeichen: Turban, darunter ganz lange Haare, Strubbelbart, raucht nicht, trinkt keinen Alkohol). Er fuhr 5 Minuten, faselte etwas von einem Bruder, stoppte an einem Holzverschlag am Straßenrand, stieg aus, dann stieg ein anderer Sikh ein, wir fuhren zu einem Taxistand, mußten in ein anderes Taxi steigen, weil ein Gas-Taxi billiger wie ein Petrol-Taxi ist und dann fuhren wir endlich Richtung Colaba zu unserem Hotel. Anscheinend waren wir an einen etwas übereifrigen Taxifahrer geraten, denn er wollte gleich mit uns auf Sight-Seeing gehen. Wir hatten einige Mühe, ihn zu bremsen. Zumindest war er sehr gesprächig. Wir hielten am Meer an, wo ein altes Frachtschiff etwas außerhalb lag, da es auf Steine aufgelaufen war. Seit einem Jahr steht es schon dort. Es war schon lustig, da der Fahrer sich ständig mit einem Löffel unter dem Turban kratzte und wenn er etwas erklärte fuchtelte er mit dem Löffel rum, um uns auf irgend etwas aufmerksam zu machen.

 
Kurz nach 3 Uhr waren wir wieder in unserem Hotel. Der Taxifahrer wollte auf uns warten, damit wir gleich eine Sight-Seeing-Tour mit ihm machten, aber wir lehnten dankend ab.

 
Auch André und Dieter hatten so ihre Erfahrungen in Bombay gemacht, waren ständig von Händlern umringt und ließen sich ein Armbändchen für 200 RP mit kurzer Segnung aufschwatzen, bis sie schließlich entnervt ihre private Sight-Seeing-Tour aufgaben.

 
Gegen 4 Uhr gingen wir dann zusammen los. Zuerst zum Gateway of India, das im Jahre 1911 aus Anlaß des Indien Besuchs von König Georg V und seiner Frau Mary errichtet wurde. Im Nu waren wir von Händlern und Bettlern umringt. Vor allem  die Kinder sind ganz schön hartnäckig. Aber wenn man sie ignoriert, dann gehen sie irgendwann weiter. Das klingt hart, aber wenn man ihnen etwas gibt, wird man im nächsten Momment von einer noch größeren Kinderhorde umringt. Außerdem würde es die Problematik nur verschärfen: Bringen Kinder mehr Geld durch Betteln als z.B. der Vater nach Hause, werden sie erst recht zum Betteln geschickt.
  
Gegenüber vom Gateway of India ist das berühmte Hotel Taj Mahal.

Wir versuchten mit unserem Stadtplan die Victoria Station zu finden, brauchten aber ganz schön lange dafür. Der Weg dorthin war spannend. Wir kamen an der University of Bombay vorbei, durch Märkte, mußten große Straßen überqueren. Wenn man sich an Einheimische hält, kommt man relativ sicher über die Straße, denn Fahrspuren, Zebrastreifen oder Fußgängerampeln gibt es hier selten. Außerdem herrscht hier das Gesetz: Wer bremst hat verloren. Leider waren wir erst kurz vor 6 Uhr am Bahnhof.

 
Es herrschte Chaos. Planlos liefen wir rum, bis wir endlich einen Info-Schalter fanden. Von dort wurden wir zum Schalter 8 geschickt, der bereits seit 16 Uhr geschlossen hatte. Also tranken wir eine Cola für 8 RP und wollten uns den Sonnenuntergang vom Meer aus ansehen. Leider kamen wir ein bißchen zu spät, so daß wir nur rosa Wolken sahen. Dafür machten wir die Bekanntschaft von Mario, einem Inder, der seit 10 Jahren in Kanada lebte. Wir unterhielten uns prima und er erklärte uns sämtliche Gepflogenheiten. Schließlich schlug er uns vor, zusammen Essen zu gehen - rein vegetarisch. Er wollte sogar mit uns Bus fahren.

Dieses Angebot schlugen wir nicht aus, denn ohne jemanden, der sich mit dem Bussystem in Bombay auskennt, sollte man nicht Busfahren. Nach ca. 20 Minuten hielt endlich der richtige Bus. Wir stiegen ein und Mario organisierte die Tickets (20 RP für 6 Leute !) Nach ca. 15 Minuten stiegen wir wieder aus und gingen in ein echt indisches Restaurant. Mario empfahl uns einige Gerichte und erklärte uns, was was ist. Jeder bestellte etwas anderes. Alles schmeckte phantastisch. Mario ließ die Reste für die Armen einpacken. Er brachte uns ein paar Worte Hindi bei, erzählte vom tödlichen Unfall seiner Eltern, von seinen behinderten Schwestern und daß er schon 3 Jahre in Dubai gelebt hatte usw. Letztendlich versprach er uns sogar, unsere Tickets für Udaipur zu buchen. Es war wirklich ein Glücksfall, daß wir Mario kennengelernt hatten. Er erklärte uns auch die Sache mit dem Handeln und Feilschen, erzählte die Hintergründe von dem Punkt auf der Stirn der Frauen (in der Regel eine Zierde, nur in Verbindung mit einem rot gefärbten Scheitel bedeutet es "bin verheiratet"), die gewollten/ungewollten Töchter in Indien usw. Es war so nett, sich mit ihm zu unterhalten. Schließlich brachte er uns mit dem Bus wieder nach Colaba und versprach, sich um unsere Tickets zu kümmern. Kaum im Zimmer angelangt, rief er uns sogar an, ob wir sicher angekommen wären.

 
Morgen fahren wir nun definitiv nach Udaipur. Allerdings sind aufgrund des bevorstehenden Diwali-Fests alle Züge überbucht. Evtl. müssen wir halt mit dem Bus fahren.

 


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