14.Tag/ Freitag/ 1997-10-31

India-Tour 1997

Agra -> Delhi

Um 6 Uhr kroch ich wirklich aus dem Bett. Bernd S. ging auch mit. Allerdings war das Hoftor unseres Hotels abgesperrt und keiner von den Angestellten zu finden, so daß wir darüberklettern mußten. Aber das war nicht weiter schwer. Leider waren selbst früh um 6.30 Uhr jede Menge Touristen am Taj Mahal und es wurden immer mehr. Scheinbar lag es auch daran, daß es heute keinen Eintritt kostete. Im Nebel sah das Taj Mahal wunderschön aus. Es schien richtig zu schweben, wenngleich auch die rosa Färbung der aufgehenden Sonne, wie ich sie mir erhoffte hatte, nicht zu sehen war. Nach einer Stunde gingen wir wieder ins Hotel zurück, um unsere Sachen zu packen. 7 Stunden Taj Mahal sind genug.

 
Obwohl ich Bernd H. geweckt hatte, als wir zum Taj Mahal gingen, war er noch nicht fertig, da er noch einmal eingeschlafen war. Selbst morgens sind in Indien Feuerwerkskracher zu hören. Gestern abend artete die Schießerei teilweise in unerträglichen Lärm aus.
Sobald Bernd H. fertig ist, wollen wir zum Bahnhof. Durch diese Verzögerung konnten wir eine Kleinigkeit frühstücken und trafen auch Sascha und Andrea wieder. Wir nahmen uns eine Rikscha und ließen uns zum Agra Cantt Bahnhof bringen.
 Wir spazierten einfach so zum Ticket Counter, kauften drei Tickets nach Delhi für insgesamt 162 RP und man schickte uns unverzüglich mit dem Zusatz, uns zu beeilen, zum Gleis 2. Kaum waren wir am Gleis 2, fuhr der Zug schon an und wir sprangen schnell noch auf. Wir kamen am Gepäckraum vorbei, an der Küche, die eher an eine Kohleheizzentrale erinnerte und schließlich in ein Abteil. Wir fragten einfach bei einer indischen Familie, ob noch frei wäre und setzten uns.

 
Während der Fahrt kamen jede Menge Teeverkäufer, Erdnußverkäufer usw. vorbei und einmal sogar der Schaffner. Nach einer Zeit kamen wir mit dem 21jährigen Sohn nahmen Ojohn von der Familie ins Gespräch. Sie kamen aus Kalkutta und machten auch Urlaub in Rajasthan. Die Zugfahrt war total interessant. Vor allem kamen wir relativ zügig voran. In einem Vorort von Delhi Fatakabat oder so ähnlich sahen wir noch die Überreste von dem Zugunglück vor 2 Monaten. Die umgestürzten, verrosteten Waggons sahen wirklich übel aus.

 
Nach 4 Stunden Zugfahrt erreichten wir die Endstation in Delhi. Wir beschlossen, mit einem Taxi für 150 RP zu unserem Janpath Guesthouse zu fahren. Die Taxifahrer versuchten zwar, uns ein anderes Hotel anzudrehen, aber da wir Dieter und Andre im Janpath wiedertreffen wollten, blieben wir eisern. Die beiden waren tatsächlich schon da. Ein 3er Zimmer kostete hier zwar 687 RP, ist aber nicht gerade gemütlich. Naja, für eine Nacht wird es schon gehen. New Delhi ist eine verhältnismäßig saubere Stadt. Es liegt fast kein Abfall rum, aber dafür ist die Luft total ätzend. Nach 30 Minuten im Straßenverkehr brennen einem die Augen.

 
Nachmittags gingen wir Geldwechseln und dann beschlossen die beiden Bernds und ich zu dem Brieffreund ihrer Arbeitskollegin Angi zu fahren. In Delhi ist es gar nicht so einfach, Rikschas anzuhalten. Für 120 RP ließen wir uns zu der Adresse bringen. Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis wir vor dem Haus standen. Das Wohngebiet ist eingezäunt und davor stehen Polizisten. Es erinnert fast an eine amerikanische Kaserne. Glücklicherweise waren die Frau und die beiden Töchter zu Hause. Das Wohnzimmer schaut fast wie ein europäisches Wohnzimmer aus: Kuckucksuhr, Sofa, Eßtisch usw.. Wir bekamen Tee, Süßigkeiten, Cashew Kerne angeboten und unterhielten uns. Sogar die beiden 6 und 9jährigen Töchter sprachen sehr gut Englisch.

 
Da Niritsch bis 20 Uhr arbeiten mußte, machten wir uns gegen 18 Uhr wieder auf den Rückweg. Die Frau empfahl uns, vorher noch drei ganz in der Nähe befindliche Sehenswürdigkeiten anzugucken. Zwei Polizisten halfen uns, eine Rikscha anzuhalten und für 35 RP fuhren wir wieder fast 20 Min bis zu einem Tempel. Man mußte die Schuhe ausziehen und konnte reingehen. Es waren einige Götter zu sehen, ein Vorbeter sang, man bekam einen Punkt auf die Stirn, Zuckersachen usw.. Wir waren die einzigen Touristen - die anderen waren zum Beten hier. Nachdem wir alles besichtigt hatten holten wir unsere Schuhe wieder ab, ohne Bezahlung und ließen uns zu unserem Hotel für 100 RP zurückfahren. Beim Einsteigen bot mir eine Frau noch Süßigkeiten an, die aber so süß waren, daß ich das Stück nach zwei Mäusebissen an ein Kind weiterschenkte.

 
Jeder Rikscha-Fahrer bringt uns immer erst zum Janpath-Hotel. Schauen wir so reich aus? Aber zum Glück ist das Guesthouse nicht weit entfernt. Die Entfernungen, die man in Delhi von einem Punkt zum anderen zurücklegt sind schon der Hammer. Alleine laufen ist unmöglich, da man sich in Nullkommanichts verläuft. Auch hier wird Diwali gefeiert, aber langsam nerven die Kracher. Später wollten wir noch Essen gehen.

 

Wir gingen ins Fast Food Restaurant Wimpy´s. Hier gab es Veggie-Burger, Pommes usw., alles allerdings sehr teuer. Aber nach zwei Wochen indischer Küche war so ein Burger eine willkommene Abwechslung. Als wir im Guesthouse ankamen, teilte man uns mit, daß Niritsch angerufen hätte und wir zurückrufen sollten. Die Familie wollte den Abend mit uns verbringen. Um 22.30 Uhr standen sie vor der Türe. Die Bernds und ich fuhren mit ihnen im Auto durch Delhi. Leider war es schon dunkel, so daß wir von dem Präsidentenhaus nicht mehr viel sahen, aber Niritsch versprach uns, daß er morgen mit uns auf Sight-Seeing gehen würde.

 
Gegen Mitternacht waren wir wieder im Guesthouse und die Familie gab uns noch Geschenke für uns und für Angie mit. Die Bernds begleiteten sie noch nach unten, aber mir war es im wahrsten Sinne des Wortes speiübel. Der Geruch im Zimmer trug auch nicht gerade zur Besserung meines Zustandes bei.

 

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