11.Tag/ Dienstag/ 1997-10-28

India-Tour 1997

Jaisalmer -> Jaipur

Die 14-stündige Busfahrt nach Jaipur war schrecklich. Man war die ganze Zeit damit beschäftigt, die Fenster zuzumachen, die von dem Gerüttel immer wieder aufgingen. Dabei war es eh schon so kalt im Bus. Mit Pullover und Tüchern eingemummelt saßen wir auf unseren Plätzen. Ein paar Mal machten wir eine kurze Pause. Kurz vor 7 Uhr erreichten wir endlich Jaipur. Wir ließen uns zum Hotel Jaipur Inn fahren. Leider waren nur noch die Zimmer für 300 RP frei. Die waren aber super. Überhaupt kein Vergleich zu der Absteige in Jaisalmer. Mit einem wunderschönen Badezimmer, Toilette, Waschbecken, sauberen Betten und sogar einem Balkon. Jaipur wirkt wesentlich freundlicher und sauberer als Jaisalmer.

 
Wir schliefen bis 10.30 Uhr, frühstückten gemütlich und brachen um 12 Uhr mit einem Rikscha-Fahrer zu einer Sight-Seeing Tour für 150 RP auf. Zuerst wechselten wir noch Geld, buchten unser Ticket für morgen nach Agra (100RP) und dann fuhren wir zum Palast der Winde.

 
Eigentlich ist Jaipur als rosa Stadt bekannt, aber die Innenstadt wirkt eher rostbraun. Außerdem herrschte das totale Verkehrschaos, weil alle Vorbereitungen für das bevorstehende Diwali-Fest trafen. Das Fest beginnt in Jaipur heute und geht ca. eine Woche. Es wird die Heimkehr von Rama gefeiert, der 14 Jahre in Sri Lanka war, um seine Frau zu suchen.

Der Palast der Winde wurde 1799 gebaut und hat ca. 900 Fenster, von denen damals die Frauen das Treiben auf der Straße beobachten mußten, weil sie diese nicht betreten durften. Die Fassade schaut fast schöner aus als das Innere. Außerdem mußte man, um Fotografieren zu dürfen, wie überall 50 RP zahlen, aber wenn man ein bißchen schwindelt und dann heimlich fotografiert, geht es auch ohne 50 RP.

 
Nach dem Palast der Winde fuhren wir zum angeblichen Prunkstück von Jaipur: Der City Palace. Der Spaß kostete allerdings 70 RP. Das war der bisher teuerste Eintrittspreis. Im City Palace befinden sich 3 Museen: Eines für Textil, eines für Waffen und ein Kunstmuseum. Immer wenn ein Wärter einem etwas erklärt, will er Rupees oder Münzen aus Deutschland haben. Langsam finden wir das total nervig und wir laufen immer ganz schnell durch die Räume und bleiben nirgends länger als 30 Sekunden stehen. Am besten gefielen mir die großen, silbernen Gefäße, in die der Maharadja 9000 Liter Gangeswasser auf seine Reise nach London mitnahm. Auch die riesigen Teppiche waren hübsch anzusehen. Nach mehr als 5 handgemalten Bildern bekommt man eh den Bilder-Overflow. Als uns die Händler und Geschäftsbesitzer zu aufdringlich wurden, spazierten wir zurück zur Rikscha.

Aber wir mußten erst noch das Jantar Mantar Observatorium für 4 RP Eintritt angucken. Dort gab es 16 unterschiedliche Gebilde, mit denen man Sternbilder und Planetenbewegungen am Himmel feststellen konnte. Drei davon waren recht hoch, so daß man eine schöne Aussicht hatte.

 
Gegen 15.30 Uhr fuhren wir dann noch zum Amer-Palace, der etwas außerhalb von Jaipur liegt. Leider zogen bereits dunkle Wolken auf, die nichts Gutes verhießen. Wir gönnten uns den Luxus und ließen uns für 250 RP von einem Elefantenweibchen nach oben tragen, was ich aber bereits nach 2 Minuten schon wieder bereute, da mir der Elefant total leid tat, weil ihm der Aufseher ab und zu mit einer Eisenharke schlug. Auch die anderen Elefanten guckten total traurig.
Am Amer-Palace gab es jede Mengen Affen. Kaum hatten wir die 4 RP Eintritt bezahlt, fing es auch schon zu tröpfeln an. Wir schafften es, den Spiegelsaal und noch ein paar andere Räume und Gänge zu besichtigen, bevor es voll losschüttete. Außer uns hatten noch viele indische Touristen Zuflucht vor dem Regen in einem halboffenen Raum gesucht. Es sah total lustig aus, wie sie ihre Kinder mit Plastiktüten für den Regen präparierten. Auch wir wurden klatschnaß, als wir endlich kurz vor 17 Uhr wieder bei unserer Rikscha ankamen. Natürlich hatte unser Elefantenführer bei dem Wetter nicht auf uns gewartet, so daß wir den Weg, der durch den Elefantenkot richtig glitschig geworden war, zu Fuß hinunterlaufen mußten.

 
Eigentlich wollten wir nun nur noch in unser Hotel zurück, da wir furchtbar froren und komplett durchnäßt waren. Außerdem war überall Wasser und die Straßen standen ca. 30-50 cm unter Wasser. Aber unser Rikscha-Fahrer schleppte uns noch zu drei Shops zum Einkaufen, weil er von den Besitzern Provision bekommt. Blöderweise ließen wir uns breitschlagen und spielten das Spiel mit. In dem Stoffladen kauften wir sogar noch zwei Tücher. Aufgrund des Regens gab es in vielen Straßen und Häusern keinen Strom mehr und wir kauften die Tücher fast im Dunkeln. Nebenbei erfuhren wir, daß für Druckverfahren 7 Schablonen benötigt werden. Beim Schmuckladen und beim Teppichgeschäft kamen wir zum Glück ohne etwas zu kaufen wieder heraus. Deshalb also war der Tagespreis der Rikscha so günstig.

 
Nach der Einkaufsprozedur brachte uns der Rikscha-Fahrer noch zu dem von uns gewünschten Restaurant Handhi, eine Empfehlung in unserem Reiseführer. Das Essen war hier allerdings schweineteuer. Ich fand es zwar ganz gut, aber total scharf. Die Rechnung über 450 RP war ganz schön gesalzen. Danach ließen w ir uns von einer Fahrradrikscha für 30 RP zu unserem Hotel bringen. Der Mann mußte sich mit uns Dreien ganz schön Abstrampeln. Wir waren heilfroh, endlich am Hotel zu sein, denn wir hatten ja immer noch unsere nassen Sachen an. Dafür sahen auf der Heimfahrt die bunten Lichterketten in den Straßen sehr schön aus und seit Stunden werden jede Menge Feuerwerksraketen abgefeuert.

 


Pushkar (André und Dieter)

Früh um 5 Uhr stiegen wir in Ajmer aus dem Bus aus, noch 11 km von Pushkar entfernt. Der Morgen war frisch und es war noch stockfinster, aber sofort redeten 3 Rikscha-Fahrer auf uns ein. Da wir erstmal überhaupt nicht auf ihre Angebote eingingen, fiel der Preis ziemlich schnell von 300 auf 100 Rupees. Die Fahrt nach Pushkar führte uns auf einer Serpentinenstrecke über einen kleinen Berg. In jeder Kurve war die dreirädrige Rikscha kurz vorm Umkippen. Das Gefährt war sogar mit Lautsprechern ausgestattet, die unser Fahrer leider auf "übermäßig laut" eingestellt hatte.Am Ortseingang von Pushkar hielt unser Fahrer und ließ uns aussteigen, da Motor-Rikschas in Pushkar nicht erlaubt sind. Ziemlich ungewöhnlich. Besonders ungewöhnlich war, daß dieses Verbot sogar strikt befolgt wurde. Das sollte aber nicht das einzige Ungewöhnliche an Pushkar bleiben. Schon gings weiter: Einem Wächter am Ortseingang mussten wir wir 10 R. pro Nase Pushkar-Steuer bezahlen, eine Art Eintrittsgeld. Zudem wollte unser Rikscha-Fahrer plötzlich 200 R., da angeblich  100 R. pro Mitfahrer ausgemacht wären. Der Abzocktrick war uns dann doch zu offensichtlich. Wir gaben ihm die vereinbarten 100 R. für die Fahrt und zogen von dannen. Der indische Lümmel gab dann auch sehr schnell auf und drohte nicht mal mit der Polizei.
Halb 6 Uhr früh, so früh am Morgen war die Stadt noch ruhig und friedlich, fast wie eine Geisterstadt. Mittelpunkt von Pushkar ist der fast kreisrunde "Pushkar Lake", umrahmt von der Stadt, welche wiederum von Bergen umgeben ist. Der See ist sehr heilig, wenn man sich auf 10 m dem See nähert, muß man die Schuhe ausziehen, Küssen und Umarmen verboten. Natürlich betritt man den See nur für eine heilige Wäsche, Schwimmen oder Bootfahren wäre undenkbar. Pushkar ist eine sehr heilige Stadt, da Brahma (ein äußerst wichtiger indischer Gott) nur hier und sonst nirgends in Indien aufgetaucht ist. Selbst Alkohol und Fleisch ist in der ganzen Stadt verboten, es gibt nur vegetarische Restaurants. Pushkar ist aber auch nicht spießig, viele buntgekleidete Hippies laufen rum, in zwei coolen Cafes läuft Reggae oder Goa-Trance. Und es gibt sogar hier (oder gerade hier ?) "Bhang" zu kaufen (Haschisch und Marijuana ist fast in ganz Indien verboten). Eine wirklich faszinierende Stadt (ca. 6000 Einwohner).
Es gibt übrigens drei Hauptgötter: Brahma (der "Generator"), Vishnu (der "Operator") und Shiva (der "Destructor"). Setzt man die Anfangsbuchstaben der englischen Bedeutungen zusammen, ergibt sich: G-O-D, das englische Wort für Gott. Einen Brahma-Tempel gibts nur hier in Pushkar, Vishnu- und Shiva-Tempel gibts in Indien massenweise. Vishnu wird in seinen verschiedenen Reinkarnationen verehrt (Rama, Krishna, Buddha, ...), seine Reinkarnation als "Kalki" steht noch aus. Der Got Shiva hat noch tausende von anderen Namen und dann wirds in der indischen Götter-mythologie echt kompliziert.
 
Zusammen mit den zwei schwedischen Frauen, die wir im Bus kennengelernt hatten, liefen wir zum "Pushkar Palace". Der Torwächter dieses noblen Palastes schlief noch, quälte sich aber für uns aus der Pritsche, die direkt hinter dem großen Holztor stand. Wir mieteten wir uns ein Zweimann-Zelt im Bundeswehr-Stil auf dem Dach für 150 R. Das Zelt selbst bot zwar keinen Komfort, aber die Aussicht auf den See war genial, die sanitäre Ausstattung wie auf einem Campingplatz (aber tauglich) und der Service gut (man konnte sich Frühstück ans Zelt bringen lassen).

Nach etwas Schlaf und Frühstück brachen wir zu unserer ersten Erkundungstour auf. Schon nach fünf Minuten wurden wir zur Gebetszermonie zum See verschleppt. Ausgerechnet während unserer Zeremonie regnete es - warme, theatralisch dicke Tropfen - für Ende Oktober ein seltenes Phänomen. Es war durchaus interessant, was mein Brahmane alles erzählte, aber schlußendlich sollten wir natürlich wieder Kohle abdrücken. Die ersten paar Mal, als wir durch die "Hauptstraße" schlenderten, wurden wir noch von allen Händlern und Abzockern angesprochen, doch das legte sich mit der Zeit, da sich die Leute natürlich vorrangig auf neue Gesichter stürzen.

Hier fanden wir sehr viele schöne Tücher und Klamotten zu sehr günstigen Preisen. Auch das Essen in den Restaurants war gut und billig, auf Alkohol und Fleisch legten wir eh keinen Wert. Im zentral gelegenen Chaishop tranken wir unseren obligatorischen Chai und lernten dabei den Franzosen Sebastian kennen, mit dem wir noch einen wunderschönen Abendspaziergang um den "Pushkar Lake" unternahmen.

 


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