Bericht über die <psy-trance>-Partys im "Hirsch", einer Indoor-Location in Nürnberg; erschienen am 21.Juni 1997 in den "Nürnberger Nachrichten"
(Foto: Büttner, Bericht: Denisa Richters)

Ein Erlebnis für die Sinne
Im "Goa Trance" im Hirsch tanzen die Blumenkinder der Gegenwart
Aufwendige Dekorationen sind im "Goa Trance" ein Muß.
Unter den Schlagworten Techno und House vereinen sich zahllose Stile, und täglich kommen neue hinzu. Fast schon etabliert hat sich "Goa Trance", die spirituell angehauchte Variante, benannt nach der indischen Region Goa, die Hippies aus aller Welt in den sechziger Jahren zu ihrem Paradies auserkoren hatten. Die Blumenkinder der Gegenwart tanzen immer noch an Goas Stränden - nächtelang, bei Vollmond und zu Trance-Rhythrnen.
"Zuckerbrot und Peitsche" könnte man den Sound umschreiben: Sphärischen Klängen, die an Grillenzirpen, Walgesänge oder an prasselnden Regen auf Dschungelblättern erinnern, folgen unerwartet dynamische, antreibende Beats. Schneller, schneller scheinen sie zu schreien und streben dem klanglichen Höhepunkt entgegen, um wieder meditativen, flächigen Elementen zu weichen. Das rhythmische Wechselbad läßt garantiert das zentrale Nervensystem tanzen.
"Goa Trance" ist aber nicht nur Musik, sondern ein rundum sinnliches Erlebnis, bei dem vor allem das Auge auf seine Kosten kommt. Aufwendige, verspielte Dekorationen prägen die Events: Das haben "Magic Circle" (ehemals "Paradise Productions") aus Berlin in Nürnberg und Umgebung schon mehrmals unter Beweis gestellt. Nach Stippvisiten im Prime Rose"",Dolphin Club" und "Bahnsteig l" hat die Truppe um Pierre Sievers und Oliver Keresztes im "Hirsch" (Vogelweiherstraße 66) ein festes Domizil gefunden.
Etwa alle zwei Monate wird hier zum "Goa Trance Event" geladen und der Musikclub wandelt jedes Mal sein Gesicht: Beduinenzelt-Atmosphäre, Glücksbänder mit Sanskrit-Schriftzeichen, spacige Lichteffekte. Von riesigen phosphorisierenden Wandtüchern leuchten blinzelnde Sonnen, hinduistische Gottheiten und florale Ornamente in grellem Gelb, Orange, Blau und Grün. Die Nürnberger "Space Family" sorgt im Chill-Bereich mit einem gemütlichen Chai-Shop für das leibliche Wohl: Hier gibt es den fein gewürzten indischen Tee, Obst, Kuchen und auch Schmuck. Besonderes Kennzeichen der Partys: open end. Da tanzt es sich leicht bis in die sonnigen Mittagsstunden des nächsten Tages hinein.
Bei den Goa-Feiern findet sich inzwischen regelmäßig eine feste Fan-Gemeinde ein; erlaubt ist, was gefällt: Batik-Hosen, bunte Tücher, Schmucksteine zwischen den Augenbrauen und Piercings, Tribal-Tatoos, lange Haare und kurze Bärte oder gestylte Raver-Mode.