Klosterrode ´98 (15.-21.6.1998)
Cybertribe Tour - Der alchemistische Kongress - Oxygen Orgasm

Am Montag kamen wir in Klosterrode an. Ein paar Zelte standen schon, aber wir konnten uns noch einen erstklassigen Zeltplatz aussuchen. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten, begann auch schon der erste Workshop, Jonglieren mit Zippy. Er spricht nur Englisch, aber das macht ja nüchts.
Die folgenden Tage waren unglaublich erholsam und stressfrei. Um 9 Uhr machte Rufti die Morgenmeditation, dann gabs Frühstück. In der Mittagszeit fanden dann die zwei Thai-Chi-ähnlichen Kurse statt und am Abend gabs lecker Abendessen. Vegetarisch, irgendwie indisch, mal mit Reis, mal mit Nudeln. 8,- DM, aber vom Feinsten. Grosses Lob an die Köche !
Meine Leute wollten unbedingt am Schwitzhüttenritual teilnehmen. Anfangs wollte ich mir das bloss mal aus Neugierde anschauen, aber dann war ich ziemlich schnell voll dabei. Am Dienstag besprachen wir das Ganze erstmal mit B.Eden (ein ganz lieber Schamane) und legten dann so ganz langsam los. Schliesslich mussten wir die Schwitzhütte erstmal bauen. B.Eden hatte schon einen Platz in einem brachliegendem Obstgarten ausgekundschaftet, nur 2 Minuten vom eigentlichen Gelände entfernt. Der Platz war wunderschön und strahlte eine herrliche Ruhe aus.
Es war zwar noch einiges unklar, z.B. woher bekommen wir die richtigen Steine, aber B.Eden beruhigte uns immer wieder mit dem Satz "Das wird sich irgendwie schon ergeben". Und tatsächlich, alles ergab sich wie von selbst.
Wir bohrten Löcher in die Erde und bogen 4 lange, gerade Äste zu einem Halbkreis und verkeilten sie in den Bodenlöchern. Einige weitere Äste wurden um die so entstandene Halbkugel mit Bindfaden an dem Gerüst befestigt. So bildetete sich ein ziemlich stabiles Iglu-Gebilde, etwas grösser als ein Zwei-Mann-Zelt. Am nächsten Tag wurde in der Mitte ein Loch im Boden ausgehoben und das Gittermodell mit vielen Decken abgedeckt, die das Ganze luft- und lichtmässig abdichteten. Am Abend trafen wir uns dann am Lagerfeuer, insgesamt 10 Leute. Ui, das wird ganz schön eng werden. B.Eden erzählte uns einiges über die indianische Herkunft dieses Rituals, während die Steine sich im Lagerfeuer rumlümmelten. Das Ganze war sehr meditativ und mystisch. Als es dann so richtig finster wurde, zogen wir uns in einem Tipi, das auch auf dem Platz stand, aus und versammelten uns nackt am wärmenden Lagerfeuer. In der Reihenfolge, wie wir sie vorher besprochen hatten (jeder Platz hat je nach Himmelsrichtung eine andere Bedeutung) betraten oder besser krochen wir in die Hütte. Erst wars ziemlich frisch, aber dann kamen die heissen Steine, die in der Dunkelheit wunderschön glühten. B.Eden sprach, sang, streute Duftstoffe und Wasser auf die Steine. Es zischte und brodelte, während sich die Hütte mit heissem Wasserdampf füllte. Was sich dann in der nächsten Stunde in unserem Köpfen abspielte, kann man nicht beschreiben, dass muss man dann schon mal selbst erleben. Danach fühlten wir uns jedenfalls echt bestens. Wie auch die anderen Workshops bewirkt die Schwitzhütte eine Art von "psychischer Hygiene", wie es B.Eden so schön ausdrückte. Am darauffolgenden Tag kamen dann sogar 19 Leute zusammen, dann wurde es erst so richtig eng.

Der Workshop "Flug des Schamanen" soll auch ganz klasse gewesen sein, aber da war ich nicht dabei. Der Gong-Workshop mit Jens Zygar hat allerdings nicht stattgefunden. Wie man hörte, hat jemand seinen Laptop mit wichtigen Daten aus seinem Auto gestohlen. Und das hatte solchen Stress zur Folge, dass ihm der Workshop zuviel geworden wäre (Die Daten waren scheinbar nirgends gesichert. Und dann läßt er das Ding auch noch im Auto liegen ! Naja).
 
Am Donnerstag hatte sich spontan ein Flouro-Mal-Workshop vor unserem Zelt gebildet.
Das Wetter war während der Woche sehr abwechslungsreich, Sonnenschein, Regen, Sturm. Aber am Freitag nachmittag klarte es auf und alle Wolken verzogen sich. Mittlerweile kamen auch mehr Fraggles mit Zelten. Und der Ambient-Abend begann. Der alchemistische Kongress. Am Anfang erzählte uns Dennis Wier etwas über unterschiedliche Trance-Zustände und warnte uns vor der hypnotischen Trance, bei der es möglich ist, jmd. etwas einzugeben (was er gar nicht möchte). Es enstand dann eine interessante Diskussion, inwieweit 604 die selbstgewählte Trance unterstützt oder auch hypnotisch Einfluss auf uns nehmen kann.

Dann begann die Ambient-Musik. Die Dämmerung legte sich über das Gelände, die Lagerfeuer knisterten und eine herrliche Mellow-Atmosphäre verbreitete sich über den ganzen Platz. Viele Leute schlenderten über den Platz, trafen Freunde, unterhielten sich und rauchten am Lagerfeuer. Noch vor Sonnenaufgang legte ich mich schlafen. Auch zum Einschlafen und Träumen kam die ambiente Stimmung einfach genial. Doch plötzlich wachte ich wieder auf: Umpf Umpf Umpf .... Was sollte denn das ? Wie sich später herausstellte war folgendes passiert: Jeremy Starseed wollte unbedingt noch am Morgen auflegen. Volker, der Veranstalter gestattete ihm das aber nur, wenn er ruhigen Ambient auflegen würde. Damit war er einverstanden, aber nach ein paar ruhigen Scheiben powerte er dann voll rein, obwohl die meisten schon schliefen. Da er sich auch sonst recht arrogant verhielt, durfte er dann zur Strafe am Samstag gar nicht mehr auflegen.

Am  Samstag brannte die Sonne herunter und wir verbrachten viel Zeit im Schatten. Die Woche über hatte ich soviel Energie gesammelt und ich freute mich total auf die Goa-Party. Der erste DJ (wer war das überhaupt ?) war nicht so nach meinem Geschmack, zuviel Drum`n`Bass, aber um 1 Uhr gings dann so richtig gut ab. Die Nacht war einfach so geil. Schon lange nicht mehr so einen Tanzflash erlebt.

Gegen 6 Uhr kam dann Tsuyoshi. Sein Sound war so umwerfend, dass wir uns erstmal hinlegen mussten und eine Runde geistig tanzten. Irgendwann nachmittags wurde die Musik etwas gemütlicher. Nicht zu ruhig, nicht zu hektisch. Genau richtig, um in aller Ruhe einer Tätigkeit -wie z.B. dem Abbauen eines Zeltes - nachzugehen.

Leider waren erst kurz nach der Lindenstrasse wieder zu Hause, aber das war mir total egal (am Montag kommt ja die Wiederholung).

Insgesamt gesehen, ein perfektes Konzept, dass mich wirklich begeistert hat. Ein paar Tage Ausruhen für die körperliche Erholung, gewürzt mit Workshops, um seine geistige Mitte zu finden, eine Ambient-Party zur Einstimmung und zum Kennenlernen und dann ne fette Goa-Party. Wow !

Zum Abschluss noch ein paar Nebengeschichten:

Das Gelände wird normalerweise als alternativer Bauernhof genutzt. Ab und zu kommen Reisegruppen und Schulklassen, um die sog. "Klosterfarm" zu besuchen. So auch während des Gatherings. Die Kinder stürmten herum und besichtigten jedes Zelt und Tipi sehr genau. Auch eine Seniorengruppe sah sich alles sehr interessiert an. Eine Oma zu einem, der gerade aus seinem Tipi kam: "Sagen Sie mal, junger Mann, aus Ihrem Zelt raucht es ja, können Sie da wohl Feuer drin machen ?". Der Hippie war total lieb zu ihr und hat ihr alles erklärt und ihr auch das Tipi von innen gezeigt. Auch die Dorfbevölkerung schaute immer mal wieder vorbei und war begeistert von der schönen, ruhigen Atmosphäre.

Auf den Flaschen war eine Mark Pfand. Aber grade in den Partynächten blieben trotzdem viele Flaschen liegen. Einige Kinder hatten es dann schnell gecheckt, dass man sich damit das Taschengeld aufbessern kann. So zogen sie dann mit viel Spass ueber den Platz. Das Gelände blieb flaschenfrei und die Kinder verdienten sich ein paar Mark.

© *goaman*